„Haben uns ein sehr hohes Ziel gesteckt“
Die Pläne des Architektenteams PPAG architects gewannen den Wettbewerb für den Bildungscampus Hauptbahnhof Wien. „Kinder & Co“ sprach mit Ali Seghatoleslami, Partner bei PPAG und einer der federführenden ArchitektInnen dieses Projekts.
Der neue Bildungscampus am Hauptbahnhof soll Platz für mehr als 1000 Kinder bieten.
Kinder & Co: Was hat Sie an dem Projekt „Bildungscampus Hauptbahnhof Wien“ besonders gereizt?
Ali Seghatoleslami: Anstelle eines konventionellen Raumprogramms hat die Stadt Wien als Auftraggeber der Ausschreibung einen sogenannten Qualitätenkatalog zugrunde gelegt. Das hat viel Raum für Kreativität gelassen.
Was kann man sich unter einem Qualitätenkatalog vorstellen?
Darin wurde festgehalten, welche Anforderungen der Campus erfüllen soll, um dem gewünschten pädagogischen Konzept zu entsprechen.
Und wie lautet dieses?
Der Wiener Campus ist ein ganztägiges Bildungsmodell mit verschränkten Unterrichts- und Freizeiteinheiten im Schulbereich in der Zeit von acht bis 15.30 Uhr. Darüber hinaus gibt es bei Bedarf Betreuung von 6.30 bis 17.30 Uhr.
Was ist das Besondere an Ihrem Entwurf?
Wir haben uns bemüht, eine größtmögliche Verzahnung der räumlichen Einheiten zu schaffen. In allen drei Einrichtungen, dem Kindergarten, der Volks- und der Hauptschule, sind die Klassenräume um einen Gemeinschaftsraum, dem sogenannten Marktplatz, gruppiert. Dort können die Kinder einander treffen, spielen und gemeinsame Projekte erarbeiten. Im Kindergarten und in der Volksschule ist dort auch der Speisebereich.
Welche Schwierigkeiten hat es bei der Erstellung der Pläne gegeben?
Wir haben uns ein sehr hohes Ziel gesteckt, nämlich dass jeder Klassenraum – auch Bildungsraum genannt – einen möglichst nahtlosen Zugang ins Freie haben soll. Das haben wir so gelöst, indem jedem Bildungsraum eine sogenannte Freiluftklasse vorgelagert ist. Darunter kann man sich eine Art Veranda vorstellen, die wiederum ins Freigelände des Campus mündet. Das an die Freiluftklassen angrenzende Freigelände wiederum ist dem Alter der jeweiligen Kinder entsprechend gestaltet. So gibt es zum Beispiel in der Umgebung der jüngeren Kinder Feigenbäume, von denen sie naschen können. Bei den älteren gibt es Kletterbäume und Kletternetze.
Das klingt alles sehr spannend. Und im Erdgeschoß ist es auch leicht vorstellbar. Aber was ist mit den Räumen darüber?
Der erste Stock ist gegenüber dem Erdgeschoß um einen Raum versetzt. Diese Trassenvorsprünge sind die Freiluftklassen der Bildungsräume im ersten Stock. In das Freigelände gelangt man dann über eine Treppe.
Wie ist der Campus als Ganzer unterteilt?
Der Kindergarten, die Volks- und die Hauptschule sind eigenständige Gebäude und miteinander durch einen großen Mittelteil verbunden. Dort sind unter anderem eine Sporthalle, ein Gymnastiksaal und der Speisesaal für die Hauptschülerinnen und Hauptschüler. Der die Gebäude umgebende zusammenhängende Freiraum ist teilweise in einen Bewegungs- und Begegnungshof, einen Werk- und Lernhof und einen Kleinkinderhof gegliedert.
Wie unterscheiden sich diese?
Nach der Gestaltung. Im Kleinkinderhof sind altersgerechte Spielgeräte. Im Werk- und Lernhof dagegen Geräte, mit denen die Kinder im Freien handarbeiten können.
Wie viele Kinder sollen im Bildungscampus Hauptbahnhof unterkommen?
Zirka 1.100 Kinder. Das gliedert sich in einen elfgruppigen Kindergarten, eine 17-klassige Ganztagsvolksschule und eine 16-klassige Ganztagshauptschule. Es ist übrigens das erste Mal, dass in Wien Kindergarten, Volks- und Hauptschule auf einem Gelände zusammengefasst werden. Damit ist der Bildungscampus Hauptbahnhof der erste Campus für alle Altersstufen bis 14 Jahre.
Wann soll er fertig gestellt sein?
Mit Beginn des Schuljahres 2014/15 soll der Bildungscampus Hauptbahnhof Wien in Betrieb gehen.