Auf Besuch bei den Tieren des Waldes
Den Wald mit allen Sinnen erleben: Das können die Kinder des Kindergartens
Gerspergasse in Floridsdorf. Erste Station war am Bisamberg. Gemeinsam mit dem Waldpädagogen Günter gingen 20 Mädchen und Buben auf Entdeckungsreise.
Ein aufregender Tag für die Kinder des Kindergartens Gerspergasse.
Vorsichtig lässt Lisa die kleine Spinne über ihre Hand krabbeln. „Das kitzelt ja“, ruft sie begeistert. Die Sechsjährige ist eines von 20 Kindern, die gemeinsam mit dem Waldpädagogen Günter durch den Wald am Fuße des Bisambergs streifen. „Wir sind heute auf Besuch bei den Tieren im Wald“, erzählt Günter. „Damit sich die Tiere nicht erschrecken, müssen wir ganz leise sein.“ Andächtig lauschen die Kinder der Familiengruppe des Kindergartens Gerspergasse seinen Worten.
Auf den Spuren der Ameisen
Über Wurzelstöcke und durch dichtes Gestrüpp bahnt sich die kleine Gruppe einen Weg quer durch den Wald. Dabei kommt sie bei einem Futterplatz vorbei, der von den JägerInnen im Winter regelmäßig befüllt wird. Plötzlich bleiben alle wie angewurzelt stehen: Ein Hase hoppelt nur wenige Meter entfernt über den Weg.
Ein Stück weiter stößt die Gruppe auf eine Ameisenstraße. Tausende fleißige Ameisen laufen über den Waldboden und halten diesen sauber. Vorsichtig verfolgen die Mädchen und Buben die tierischen Waldarbeiter bis zu ihrem riesigen Ameisenhaufen.
Ein Waldbild entsteht„
Wer auf Besuch kommt, bringt auch ein Geschenk mit“, so der Waldpädagoge und fordert die Kinder auf, Blüten, Blätter etc. zu sammeln, die sie den Tieren des Waldes schenken wollen. Sebastian (6) verrät, dass seine Blätter das Wildschwein bekommen soll. Alle Schätze werden zu einem bunten Waldbild zusammengelegt.
Letzte Station ist das Waldwichtellager. Dort errichteten Kinder aus Ästen kleine und große Tipis. Jede neue Kindergruppe kann diese weiterbauen, verändern oder an einer anderen Stelle neu aufbauen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Jahr des Waldes
Ziel des Ausflugs ist, den Kindern den Lebensraum Wald näherzubringen. „Ich möchte ihre Gefühle ansprechen. Daran können sie sich auch in vielen Jahren noch erinnern: an die Bilder, an die Gerüche. Dann sind sie auch bereit, den Wald zu schützen“, erklärt Kindergartenpädagogin Birgit Grabner ihr Engagement. Die Idee zu dem Waldprojekt kam ihr anlässlich des heurigen Jahres des Waldes.
Spielplatz unter Bäumen
Mit Bilderbüchern, Gedichten und Spielen wurden die Kinder auf das Erlebnis Wald vorbereitet. Der Ausflug mit dem Waldpädagogen Günter war für einige Kinder der erste Kontakt mit dem Wald.
Damit er nicht der einzige bleibt und alle Kinder die Chance haben, sich im Wald wohlzufühlen, plant Birgit Grabner weitere Ausflüge zum Bisamberg. Ausgerüstet mit einer Jause und Decken können die Drei- bis Sechsjährigen nach Herzenslust spielen und sich bei einem Picknick stärken.
Hotel für Insekten
Damit für die Kinder Natur auch direkt vor der Haustüre erlebbar ist, hat die Pädagogin im Kindergarten eine Holzbaustelle errichtet. Aus Holzscheiben von einem Baumstamm und Holzstücken in unterschiedlichsten Formen können die Kinder immer wieder Neues bauen. „Auch hier sollen sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen.“
Selbst die Gänseblümchen und der Löwenzahn, die zahlreich in der Wiese wachsen, finden Verwendung: Daraus wird z. B. ein Aufstrich gemacht. Im Garten wurde außerdem gemeinsam mit den Kindern ein Insektenhotel aus Holz, Schilf etc. gebaut. Kleine Insekten sollen dieses Hotel als Nistplatz nutzen.
Forschen an der Uni
Nächster Höhepunkt des Waldprojekts ist ein Besuch bei der BOKU, der Universität für Bodenkultur. Forscher Michael Grabner wird aus einem Baum im Garten des Kindergartens einen Bohrkern entnehmen. Diesen können die Kinder dann an der Uni unter dem Mikroskop genau untersuchen, die Jahrringe zählen, nach kleinen Löchern von Tieren suchen etc. „Mir ist es wichtig, durch die Nähe zum Wald die Liebe und Achtung zur Umwelt in den Kindern zu wecken“, so Birgit Grabner.