Games: Was ist richtig, was ist falsch?
Für die einen eine lustige Freizeitunterhaltung, für die anderen eine Suchtgefahr mit gewaltverherrlichendem Inhalt. Doch Computer- und Konsolenspiele sind nicht von vornherein „gefährlich“. Sechs Vorurteile, sechs Fakten.
Games machen dumm:
Rätsel bei einem Abenteuerspiel lösen, Strategien erfinden, um ein Weltreich aufzubauen, blitzschnell ein Hindernis erkennen und darauf reagieren. Sich konzentrieren, nachdenken, planen und dabei bleiben. Games machen sicher nicht dumm. Sie fördern die Konzentration, die räumliche Vorstellungskraft und strategisches Denken. Allerdings kommt es – wie bei allem – auf die richtige Dosis an. Ständig vor dem Computer zu sitzen, führt zu Kopfbrummen, Augenbrennen und motorischer Müdigkeit. Auch die Bewegung an der frischen Luft kommt dann zu kurz.
Games machen gewalttätig:
Begeht ein/-e Jugendliche/-r eine Gewalttat, bemühen Medien gern das Bild des asozialen Teenagers, der ständig vor dem Bildschirm hockt und „Killergames“ spielt. Aber: Gewaltbereite Menschen haben negative Erfahrungen gemacht, waren selbst mit Gewalt konfrontiert und können mit Aggressionen nicht umgehen. Gewaltvolle Computerspiele sind aber nicht die Ursache von gewalttätigem Verhalten. Schon immer gab man Medien die Schuld an Gewalt: Waren es in der Zwischenkriegszeit Krimi- und Abenteuerhefte, verteufelte man in den Achtzigern brutale Fernsehfilme.
Entscheidend ist, so glaubt Anu Pöyskö, Leiterin des wienXtra-medienzentrums, ob „eine Übertragung stattfindet, also Verhaltens- und Reaktionsmuster aus den Medien in das ,richtige Leben‘ übertragen werden.“ Damit Kinder und Jugendliche das auseinanderhalten können, brauchen sie Unterstützung von Erwachsenen. Sich als ExpertIn aufzuspielen ist allerdings nicht gefragt. Sehr wohl aber geht es darum, sich als „Vorbild, Reflexions- und Reibefläche zur Verfügung zu stellen“ (Anu Pöyskö). Sprechen Sie mit Ihrem Kind, teilen Sie ihm auch Ihre Bedenken mit. Und geben Sie ihm die Möglichkeit zu erklären, was ihm an dem Spiel fasziniert. Die Gründe dafür können vielfältig sein.
Eine gute Möglichkeit dafür sind unter anderem auch die Computer- und Konsolenspiele-Workshops der wienXtra-spielebox. Hier stehen den Kindern geschulte MitarbeiterInnen bei Fragen zur Verfügung. Die Teilnahme ist kostenlos.
Games machen süchtig:
Stellen Sie sich vor: Ihr Kind liebt Fußball, am liebsten würde es jede Sekunde auf dem Fußballplatz verbringen und dafür auch gern auf Lernen und Schule verzichten. Machen Sie sich Sorgen, dass Ihr Kind fußballsüchtig wird? Mit Games verhält es sich im Grunde nicht anders: Das Kind taucht in eine spannende Welt ein. In dieser werden verschiedene Bedürfnisse – Anerkennung, Erfolgserlebnisse usw. – erfüllt. Vermeiden Sie, die Begeisterung für Internet, Games usw. überzubewerten.
Natürlich: Will das Kind überhaupt nichts anderes mehr tun, als vor dem Computer zu hocken, hat es kein Interesse, FreundInnen zu treffen oder draußen zu spielen, und vernachlässigt es die Schule, sollte man Maßnahmen ergreifen. Ist das Verhalten tatsächlich besorgniserregend, helfen Verbote aber gar nichts. Würden Sie Ihrem Kind beispielsweise Fußballspielen verbieten, erreichen Sie wahrscheinlich das Gegenteil von dem, was Sie wollen. Behutsames Vorgehen ist gefragt. Es gibt außerdem professionelle Hilfe, an die sich Eltern wenden können.
Games machen dick:
Ständig vor dem Computer hocken, Chips essen und nur aufstehen, wenn es unbedingt sein muss – dann schon. Aber sogar darauf hat die Spielebranche reagiert. Der neue Trend sind Bewegungs- und Aktivspiele. Einen Ausflug in freier Natur ersetzen sie zwar nicht, aber für einen grauen, verregneten Nachmittag sind sie durchaus geeignet. Und Spaß machen sie allemal, solange alle mitspielen – und sich vielleicht auch Mama und Papa von der gemütlichen Couch erheben.
Es gibt fast nur Gewalt-Games:
Nein. Der Trend geht immer mehr in Richtung von gemeinsam zu spielenden Musik-, Aktivitäts- und Familienspielen. Es gibt zwar „Shooter“ (dabei müssen GegnerInnen mit verschiedenen Waffen bekämpft werden), aber auch Action-, Adventure-, Rollen-, Fun-, Infotainment-, Education-, Kinder-, Simulations-, Strategie-, Rennspiele und, und, und
Games machen einsam:
Ganz klar: Gemeinsam macht das Spielen mehr Spaß, das gilt auch für Games. Kann die ganze Familie mitspielen oder können FreundInnen dabei sein (wie bei Singstar usw.), macht es dem Kind sicher mehr Spaß, als allein vor dem Computer zu sitzen. Fast 40 Prozent der Elf- bis 18-Jährigen geben an, besonders gerne gemeinsam mit FreundInnen zu spielen. – Vgl.: Großegger (2007): elf/18 – die Jugendstudie
Aber selbst wenn die Kinder allein spielen, reden sie mit anderen über den Inhalt, tauschen sich aus, erzählen und wollen sich mitteilen. Übrigens: Auch beim Lesen ist man allein.