„Hochbegabung ist kein Wunder“
Mit rund zweieinhalb Jahren konnte Marian Kogler lesen, mit 16 hatte er bereits sein Uni-Diplom. Jetzt ist er Dozent an der Universität in Halle. In seinem Buch schrieb er seine Erfahrungen als Hochbegabter nieder. Das Interview!
Marian Kogler schrieb ein Buch über seine Erfahrungen als Hochbegabter.
Kinder & Co: Warum sind Sie für eine Promotion nicht an der TU Wien geblieben, sondern nach Halle gewechselt?
Marian Kogler: Weil es an der TU Wien in meinem Bereich (Theoretische Informatik) keine Assistentenstellen gibt.
Waren Sie schon als Kind an Computern interessiert?
Ja. Früher hat mich Chemie mehr als Informatik interessiert, das wurde mir allerdings durch den Chemie-Unterricht in der Schule vergällt.
Wann haben Sie entdeckt, dass Sie über eine besondere Begabung verfügen?
Mit drei Jahren, als mir das Ergebnis des Intelligenztests mitgeteilt wurde und ich den Unterschied zu Gleichaltrigen wahrnahm. Für mich selber waren meine Fähigkeiten bzw. Gedanken immer „normal“.
Worin liegt Ihre besondere Begabung?
Hauptsächlich im schnellen Erfassen und Herstellen von logischen Zusammenhängen.
Können Sie sich Dinge schneller merken und zum Beispiel Sprachen schneller lernen?
Ich habe ein recht gutes Gedächtnis, das hat allerdings nichts mit Hochbegabung zu tun. Und um eine Sprache zu lernen, muss ich mich auch anstrengen.
Sie konnten schon als Kleinkind lesen. Wie haben Sie das gelernt?
Das weiß ich nicht. Ich habe keine Erinnerungen mehr an diese Zeit.
Hat Sie Ihre Hochbegabung in Ihrem Leben belastet?
Nein.
Hat Ihre Hochbegabung Ihr Leben verändert?
Natürlich. Ohne Hochbegabung hätte ich sicher nicht die Möglichkeiten wie Überspringen von Klassen oder verfrühtes Studium gehabt.
Warum war Ihnen in der Schule oft langweilig?
Weil ich den Stoff oft schon längst verstanden hatte, während er noch erklärt wurde.
Wie sollten Lehrerinnen und Lehrer Hochbegabte behandeln?
Durch Förderung und zusätzliche Angebote. Es scheitert jedoch oft schon daran, dass Lehrerinnen und Lehrer Hochbegabung nicht erkennen.
Gibt es bei uns einen Nachholbedarf bei der Begabtenförderung?
Eindeutig. Eine angehende Lehrerin bzw. ein angehender Lehrer hört unter Umständen während seiner Ausbildung kein einziges Mal von Hochbegabung, wie man sie erkennt und wie man Hochbegabte fördert. Es sind zwar im Gesetz Möglichkeiten wie Überspringen von Klassen und Studieren neben der Schule vorgesehen, es hängt jedoch sehr stark vom Gutdünken der Schule ab, ob eine Schülerin oder ein Schüler diese Angebote in Anspruch nehmen kann.
Wie sollte die Schule sein, die sie gut finden?
Im Wesentlichen: gute Lehrerinnen und Lehrer, die einen hoch angesehenen Beruf ausüben (Reform der Ausbildung, Qualitätskontrollen), sowie Schülerinnen und Schüler, deren Schulunterricht möglichst gut an ihre Fähigkeiten angepasst ist (Gesamtschule, aber mit Leistungsgruppen), der ihnen aber auch Freiheiten bietet (zum Beispiel Lockerung der Anwesenheitspflicht und Wahlpflichtfächer).
Sie schlagen zum Beispiel vor, das Sitzenbleiben abzuschaffen. Warum?
Jemand, der beispielsweise in Mathematik und Geografie durchgefallen ist, sollte Mathematik und Geografie wiederholen müssen, nicht alle Fächer.
Sie schreiben, Sie waren kein Wunderkind. Warum?
Weil Hochbegabung kein „Wunder“ ist. Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung sind hochbegabt.
Wann wollen Sie die Promotion abgeschlossen haben?
In etwa zwei bis drei Jahren.
Marian Kogler:
Gemischte Gefühle und anderer Zeitvertreib.
Erfahrungen und Einsichten eines Hochbegabten,
ISBN: 978-3-902406-71-2, Preis: EUR 19,90, Seifert Verlag
www.seifert-verlag.at