Vorhang auf für Kirangolini
Kirangolini ist Lesefrühförderungprogramm für Kinder von null bis drei Jahren.
Teppiche werden ausgerollt, ein riesiges Stoffkrokodil liegt einladend auf dem Boden, ein Tisch mit Malutensilien steht bereit: Angela Bogner bereitet ihr Lesefrühförderungprogramm für Kinder von null bis drei Jahren in der Bücherei Wieden vor.
Nach und nach trudeln Mütter und ihre Kinder ein. Bogner spaziert durch den Raum, begrüßt Frauen und Kinder und bläst Seifenblasen in die Luft. Bogner: „Am Anfang sind Eltern und Kind oft etwas schüchtern. Die Seifenblasen lockern die Stimmung auf, Eltern und Kinder tauen auf.“
Drachen und Fingerspiele
Schüchternheit ist heute kein Thema, denn die Frauen beginnen sofort angeregt zu plaudern. Bogner stellt das Thema des Tages vor: Es lautet Drache. Die Pädagogin zeigt den Kindern einen großen Drachen und erklärt, dass sie später einen Drachen anmalen dürfen und ein Lied lernen.
Das heutige Programm startet aber mit einem Fingerspiel. „Fährt ein Schifflein übers Meer“, singt Bogner und bewegt sich im Rhythmus dazu, „wackelt hin und her, kommt ein Sturm und bläst das Schifflein um.“ Den Müttern und Kindern macht das Spiel sichtlich Spaß, denn einige rufen: „Noch einmal!“
Kontakt mit dem Buch
Dann ist Zeit fürs Bücheranschauen. In der Kinderbuchabteilung der Bücherei Wieden stehen große Kisten vollgefüllt mit Büchern auf dem Boden. Ideal für die Kleinen. Sie räumen Bücher heraus und wieder hinein. Manche schlagen ein Buch auf und versuchen zu blättern, andere lassen sich von ihren Müttern Bilder zeigen.
Bogner erklärt: „Bei der Lesefrühförderung geht es nicht ums Vorlesen, sondern um den Kontakt mit dem Buch. Wie greift man es an? Wie geht man damit um? Darüber hinaus wird der Spracherwerb sehr gefördert. Die Kinder sehen Dinge im Buch, und sie hören den Begriff dazu. Sie hören Reime und Lieder, und ich bringe Material zum Anschauen und Angreifen mit. Damit festigen sich Begriffe.“
Neugierde
Für das Kirangolini-Programm muss man sich eigentlich anmelden. Der dreijährige Josef ist mit seiner Mama aber zufällig da. „Josef war einfach neugierig, was die vielen Kinder hier machen“, meint seine Mama. Er hat sich inzwischen ein Buch zum Thema Fahrzeuge ausgesucht. Gemeinsam mit seiner Mama schaut er es durch, als Adrian (3) interessiert hinzukommt. Abwechselnd benennen die beiden Buben die Fahrzeuge.
Josefs Mutter erzählt: „In der kalten Jahreszeit lesen wir ihm viel vor oder schauen Bücher an. Besonders liebt er Fahrzeuge und Maschinen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie genau er Fahrzeugteile benennen kann, und ich weiß eigentlich nicht, woher er die Begriffe hat.“
Volle Begeisterung beim Bewegungslied
Die ersten Kinder fangen bereits mit dem Anmalen der Drachen an. Nach der Lesezeit folgt wieder ein Bewegungslied. Bogner singt vor: „Meine Nase ist verschwunden“, und die Pädagogin hält sich die Nase zu. Alle machen es ihr nach und verstecken ihre Nase unter ihrer Hand. Die Kinder sind mit Begeisterung dabei. Immer wieder wollen sie einen anderen Körperteil verschwinden lassen.
Zahlreiche kostenlose Angebote
Das Programm Kirangolini ist nur ein Beispiel von zahlreichen kostenlosen Angeboten der Büchereien Wien für Kinder im Alter von null bis 13 Jahren. 2010 wurden 933 Veranstaltungen in der Hauptbücherei und den Zweigstellen durchgeführt. Dazu kommen 4.285 Gruppenbesuche von Kindergärten, Horten und Schulen. Insgesamt nahmen 109.210 Kinder teil.
Koordinatorin Martina Adelsberger betont: „Lesen ist eine wichtige Kulturtechnik. Es fördert die persönliche Entwicklung und bildet die Basis zur Bildung und späteren beruflichen Karriere. Mit unseren Programmen wollen wir Lust auf Lesen machen.“ Neben den sehr beliebten Kleinkinder-Programmen gibt es beispielsweise Vorlesestunden, in denen neben Deutsch auch Texte in Sprachen wie Bosnisch/Serbisch/Kroatisch, Englisch, Türkisch, Norwegisch usw. vorgelesen wird.
Großer Anklang
Adelsberger: „Diese Stunden finden großen Anklang. Die Muttersprache wird hier nicht als Defizit, sondern gleichwertig wie Deutsch betrachtet. Untersuchungen bestätigen, dass die Kinder umso besser Deutsch lernen, je besser sie ihre Muttersprache können. Meist verlaufen die Stunden so, dass – je nach Sprachkenntnissen der BesucherInnen – zuerst die Geschichte in der Fremdsprache vorgelesen wird. Anschließend wird die Geschichte meist noch einmal auf Deutsch zusammengefasst.“
Darüber hinaus bieten die Büchereien Wien Workshops zu naturwissenschaftlichen Themen, Musik oder Kreativitäten. „Neben Büchern können Kinder auch Hörbücher, DVDs, Konsolenspiele, CD-Roms und DVD-Roms ausborgen.“