„Mein Kind hat Schulangst – was tun?“
Tränenausbrüche am Morgen, Bauchweh im Unterricht und Schlafstörungen in der Nacht: Schulangst setzt Körper und Geist mächtig zu. Isabel Löffler, Ärztin der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie am Rosenhügel, im Gespräch mit „Kinder & Co“.
Isabel Löffler gibt Tipps, woran Sie erkennen, dass Ihr Kind Schulangst hat und wie es diese wieder los wird.
Kinder & Co: Was ist Schulangst genau?
Isabel Löffler: Es ist eine auf die Schule gerichtete Angstsymptomatik unterschiedlichen Ausmaßes. Ursachen sind einerseits schulische Faktoren wie Mobbing durch Mitschülerinnen und Mitschüler oder Bloßstellung durch Lehrkräfte. Auf der anderen Seite gibt es auch kindbezogene Faktoren wie Leistungsversagen, die Panik vor dem Unterricht auslösen können. Schulangst ist ein Teil des großen Überbegriffs „Schulvermeidung“. Neben Schulangst zählen dazu auch noch die Schulphobie und das Schuleschwänzen.
Worin liegt der Unterschied?
Bei der Schulphobie haben die Kinder Angst vor der Trennung von einer Bezugsperson, etwa Mutter oder Vater. Sie sorgen sich, dass ihr bzw. ihm etwas zustoßen könnte. Diese Panik äußert sich nicht selten mit Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Einnässen. Jene jedoch, die den Unterricht schwänzen, haben meist bloßes Desinteresse am Unterricht.
Gibt es Gruppen von Kindern, die besonders gefährdet sind, in eine dieser drei Schemen der Schulvermeidung zu fallen?
Es gibt Zeiträume, die das Risiko erhöhen – etwa die Zeit der Einschulung oder des Schulwechsels. Außerdem gilt: Kinder ängstlicher Eltern zeigen eher angstbesetzte Verhaltensmuster als jene selbstsicherer Eltern.
Was kann man tun, um dem Kind zu helfen?
In erster Linie sollte die Vernetzung mit der Schule und den dortigen Bezugspersonen stark sein. Wenn ein Kind morgens weint, verdient es nach der Rückkehr aus dem Unterricht Ermutigung und Anerkennung. Wichtig ist auch, nicht darüber zu diskutieren, ob der Schulbesuch ausfallen kann. Das Kind muss wissen, dass es sich auch jederzeit an eine vertrauenswürdige Lehrkraft wenden kann.
Auch ein vorzeitiges Abholen aus der Schule sollte nur im Krankheitsfall erfolgen. Sonst lernt das Kind, dass bereits Klagen über leichte Beschwerden ausreichen, um dem Unterricht fern bleiben zu können. Wenn ein Schulbesuch einmal wirklich nicht in Frage kommt, ist Bettruhe angesagt. Angenehme Tätigkeiten wie Fernsehen oder Lesen statt des Unterrichts sollten nicht erlaubt sein.
Wann braucht man ärztliche Hilfe?
Sobald die Symptome für Schulangst mit diesen Regeln nicht mehr in den Griff zu bekommen sind. Eltern müssen Vertrauen zu ihrem Kinderarzt bzw. der Kinderärztin haben.
Wie wird Schulangst behandelt?
Eine Psychotherapie kann helfen, die Sorgen aufzuarbeiten und abzubauen. In ausgeprägten Fällen ist zudem eine medikamentöse Therapie möglich – aber natürlich nur auf Anweisung der Fachärztin bzw. des Facharztes der Kinder- und Jugendpsychiatrie.