„Schnupfen gehört nun mal dazu“
Das weiß Kinderarzt Herbert Kurz aus langjähriger Erfahrung. Wundermittel gibt es nicht. Und der Kinderkörper kann sich so auf fremde Viren einstellen.
"Ein krankes Kind ist quengelig, anhänglich, liebesbedürftig und grantig. Für diese Gemütsverfassung sollte man Verständnis zeigen und sich einfühlsam darauf einstellen."
Kinder & Co: Wo ist der Unterschied zwischen einem Schnupfen und einem grippalen Infekt?
Herbert Kurz: Das sind eigentlich nur verschiedene Namen für Infektionen der oberen Atemwege, die von verschiedenen Viren ausgelöst werden. Je nachdem, wie bösartig diese Viren sind und wie gut der kleine Körper sich darauf einstellen kann, fällt die Schwere der Erkrankung aus. „Verkühlen“ alleine genügt nicht, um einen Schnupfen zu kriegen, da müssen eben auch Viren mitbeteiligt sein. Der sogenannte „grippale Infekt“ schaut aus wie eine Grippe, verläuft aber meist nicht so heftig.
Wo ist der Unterschied zu einer Grippe?
Bei der Grippe treten die Symptome meist sehr plötzlich auf. Und oft kommt sie ohne die typischen Schnupfensymptome, dafür mit hohem Fieber. Aber eigentlich ist diese Unterscheidung irrelevant. Behandeln kann man immer nur die Symptome. Bei Kindern muss man immer besonders achtgeben, ob es zu Komplikationen kommt.
Wie kann ich meinem Kind durch die Krankheit helfen?
Ein krankes Kind ist quengelig, anhänglich, liebesbedürftig und grantig. Für diese Gemütsverfassung sollte man Verständnis zeigen und sich einfühlsam darauf einstellen. Fiebersenkende und entzündungshemmende Medikamente wie Fieberzäpfchen können – in Absprache mit dem Hausarzt – sinnvoll sein. Die Kinder sollten viel trinken.
Was kann man vorbeugend tun?
Das Immunsystem kleiner Kinder ist auf die Abwehr von Viren noch nicht gut trainiert. Sie stecken sich schnell an – und trainieren so ihr Immunsystem. Das ist ganz normal und kein Grund zur Sorge. Man kann sein Kind nicht völlig vor Schnupfen oder grippalen Infekten schützen. Natürlich ist es sinnvoll, den Kontakt mit verschnupften Kindern zu meiden. Aber oft kann man sein Kind einfach nicht vom Kindergarten oder von der Schule daheim lassen. Damit die Raumluft nicht austrocknet, sollte man nicht zu warm einheizen und öfters lüften. Von Rauch sollte man Kinder auf alle Fälle fernhalten, Passivrauchbelastung macht sie anfällig für Infekte und schwere Verläufe. Und natürlich tun jedem Kind ein gesunder Lebensstil mit einer abwechslungsreichen Ernährung, genug Bewegung und eine entspannte Atmosphäre gut.
Wann sollte man mit dem Kind zum Arzt?
Wenn das Kind Fieber hat und krank wirkt, sollte man zu Ärztin oder Arzt gehen.
Was ist bei Babys zu beachten?
Da ist die Lage wesentlich heikler. Säuglinge atmen durch die Nase und sind auch durch einen Schnupfen wesentlich stärker beeinträchtigt. Mit ihnen sollte man auf jeden Fall gleich zum Arzt gehen, bei Fieber sowieso. Mit einem Nasenspray kann ihnen bei Schnupfen gut geholfen werden, ein Baby mit Fieber muss meist stationär aufgenommen werden.
Gibt es auch Hausmittel, die helfen?
Kühlende Umschläge um die Beine können Fieber senken helfen. Essig oder das Einschmieren mit frisch riechenden Salben hat nicht wirklich einen medizinisch nachweisbaren Zweck. Grundsätzlich tut dem Kind aber jede Art von Aufmerksamkeit gut. Ist das Kind nicht geschwächt, kann ich Spaziergänge an der frischen, kalten Luft empfehlen. Durch die kalte Luft schwellen die Schleimhäute ab, das Atmen wird erleichtert. Aber dabei muss man sein Kind natürlich gut einpacken – und die Haube nicht vergessen.