Wiens Schulen sind so vielfältig wie unsere Kinder
Musisch, kreativ oder sportlich: In Wien bieten bereits die Volksschulen verschiedene Schwerpunkte an. Wie sie entstehen und was ein Schulversuch ist, erklärt Bezirksschulinspektorin Elisabeth Repolusk.
An Wiens Schulen gibt es unzählige Schwerpunkte – wie entstehen diese?
Elisabeth Repolusk: Schwerpunkte entstehen durch die Initiative der Lehrerinnen und Lehrer und Direktorinnen bzw. Direktoren an den Standorten. Es gibt Schwerpunkte in Musik, kreativem Gestalten oder Bewegung und Sport. Das bedeutet: In dem jeweiligen Fach, also Musik, Bewegung und Sport oder Bildnerische Erziehung, gibt es mindestens eine Stunde pro Woche mehr. Die Lehrerinnen und Lehrer absolvieren eine spezielle Ausbildung, um diese Schwerpunkte anbieten zu können.
Interessiert sich eine Lehrerin bzw. ein Lehrer für einen Schwerpunkt, bespricht sie oder er mit der Direktorin oder dem Direktor, ob sie bzw. er diesen anbieten kann. Die Eltern müssen einverstanden sein, dass ihr Kind eine Schwerpunktklasse besucht. Ist an einer Volksschule die Bildung einer Schwerpunktklasse geplant, gibt es an der Schule einen Schwerpunkt, werden die Eltern bereits bei der Einschreibung darüber informiert, dass es eine Schwerpunktklasse gibt. Sind sie interessiert, können sie das Kind für diese Klasse voranmelden.
Auch die Neigungen und Stärken der einzelnen Lehrerinnen und Lehrer drücken sich im Schwerpunkt aus – wobei natürlich niemand zur Führung eines Schwerpunktes gezwungen wird. Es wäre kontraproduktiv, wenn z. B. eine Lehrerin oder ein Lehrer, die bzw. der unmusikalisch ist, einen Musikschwerpunkt anbietet.
Kann auch die ganze Schule eine Schwerpunktschule sein?
Ja, an manchen Standorten kann sich über einen längeren Zeitraum eine ganze Schule zur Schwerpunktschule in einem Bereich entwickeln. Dies muss – so wie alle Schwerpunktsetzungen – mit dem Stadtschulrat abgesprochen werden. Andererseits kann eine Schule auch mehrere unterschiedliche Schwerpunkte anbieten.
Wie wird die Qualität gesichert?
Die Qualitätskontrolle vor Ort wird sowohl durch die Schulleitung als auch durch die Schulaufsicht wahrgenommen.
Was ist das Wichtigste, wenn es um die Entscheidung geht, welche Volksschule für das Kind die richtige ist? Welchen Schwerpunkt sollten die Eltern für ihr Kind wählen?
Erfahrungsgemäß ist für die meisten Eltern die Nähe zum Wohnort eines der wichtigsten Kriterien bei der Schulwahl.
Zumeist geht es erst in zweiter Linie um die Wahl eines Schwerpunktes. Und dabei sollte ein Kind seine Interessen und Stärken ausleben können. Schließlich sollte sich das Kind wohlfühlen, der Schulbesuch spannend sein und Spaß machen. Stellen Sie sich vor, Sie besuchen eine Sportklasse und mögen Sport und sportliche Wettbewerbe überhaupt nicht. Würde z. B. ein völlig unsportliches Kind eine Klasse mit Bewegungsschwerpunkt besuchen, dann könnte die Gefahr bestehen, dass es zum Außenseiter wird und die Freude an der sportlichen Betätigung ganz verliert – eine mögliche Entwicklung in diese Richtung kann schon bei der Schuleinschreibung in Absprache mit den Eltern durch die Wahl des passenden Schwerpunktes vermieden werden.
Die Lehrerinnen und Lehrer und/oder Direktorinnen und Direktoren führen bei der Einschreibung intensive Gespräche mit den Eltern, um herauszufinden, welcher Schwerpunkt für jedes Kind die bestmögliche Wahl ist. Die meisten Eltern wissen genau, in welchem Bereich die Stärken ihres Kindes liegen.
Was sind Schulversuche?
Für die Durchführung von Schulversuchen gibt es eine gesetzliche Grundlage, die laut Schulorganisationsgesetz § 7, Absatz 23, besagt, dass in den öffentlichen Pflichtschulen eines Bundeslandes die Anzahl der Klassen mit Schulversuchen fünf Prozent nicht übersteigen darf.
Zu den Schulversuchen in Wien zählen zum Beispiel bilingualer Unterricht in den Vienna Bilingual Schools oder die Neue Wiener Mittelschule.